Frage zur nächsten Fachtagung: Welches Thema interessiert Sie mehr?

Am Mittwoch, den 7. November 2018 findet die nächste Fachtagung des Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) an der Universität Witten/Herdecke statt. Dabei gibt es diesmal ein Novum. Wir stellen zwei Schwerpunkte zur Auswahl und wollen von Ihnen wissen, für welches Thema Sie sich mehr interessieren: “Wie soll es enden?” oder “Welchen Wert hat Pflege?”. Ausführlichere Informationen zu den beiden Themen und den Link zur Befragung entnehmen Sie bitte aus den nun folgenden Beitrag. Die Aktion läuft bis zum 31. März 2018.

Am Mittwoch, den 7. November 2018 findet die nächste Fachtagung des Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) an der Universität Witten/Herdecke statt. Diese Art von Tagung  der Newsletter-Day  findet einmal pro Jahr statt. 

In den letzten Jahren gab es Veranstaltungen zu solchen Themen wie unter anderem “Angst” und “Sexualität”, die beide ausverkauft waren. Knapp 200 Personen besuchten diese Veranstaltungen, darunter professionell Pflegende, Leitungskräfte und Personen aus anderen Gesundheitsdisziplinen wie unter anderem Ergotherapie, Psychologie und Medizin. Dabei wird bei jeder Fachtagung des DZD eine Brücke zwischen Theorie und Praxis geschlagen. Während also am Vormittag wissenschaftliche Grundlagen zu einem solchen Thema wie “Angst” im Vordergrund stehen und Vorträge, geht es im Nachmittag-Programm um die Praxis. 

2018 stehen zwei Themenschwerpunkte zur Auswahl. Wir wollen daher von Ihnen wissen, für welches Thema Sie sich mehr interessieren. Nach der Auswertung dieser Umfrage werden wir auf unserer Website darüber informieren, für welches Thema Sie sich mehrheitlich entschieden haben. Also nach dem 31. März 2018 – so auch die Deadline zu unserer Aktion.

Hier der Link zur Befragung: https://www.surveymonkey.de/r/C66T6SC

Und nun auch noch die ausführlichere Darstellung unserer beiden Themen. Bitte kurz durchlesen, bevor Sie den Link zur Befragung aufrufen!

Thema 1: Wie soll es enden?

Die Demenz nicht vom Ende her sehen – das könnte die Sichtweise beschreiben, die weltweit für das Konzept personzentrierter Pflege Raum gewonnen hat. Schließlich möchte man nicht an die düsteren End-Szenarien denken, sondern eher die Vorstellung eines selbstbestimmten, weitgehend autarken Lebens aufrechterhalten: nicht gegen, sondern mitder Demenz gut leben. Scheint dies nicht für eine wachsende Anzahl von Personen zu stimmen?

Doch zunehmend melden sich Stimmen zu Wort, welche in dieser Ansicht mehr als ein Quäntchen Beschönigung zu erspüren meinen: Demenz ist kein „lifestyle of choice“ – keine „selbst gewählte Art zu leben“. Gerade nach der Diagnose stellt sich für Angehörige, aber auch für die Personen mit Demenz selbst die Frage: Wie soll ich, wie sollen wir damit leben? Wie soll es, wie wird es enden, für mich und den Partner bzw. die Familie?

Von den eigenen Vorstellungen vom Lebensende her schaut man schließlich auf sich selbst zurück: wie man es gestalten möchte, wie ich, wie wir mit Demenz leben werden und was dies für mich und meinen Partner bzw. Angehörige bedeuten wird – jetzt und auf absehbare Zeit. Die Frage nach dem Ende ist eine Frage des Anfangs.

Es geht hier nicht um die palliative Pflege und weniger um das Sterben selbst. Eher geht es darum: Wo sind die Grenzen der Zumutbarkeit, nicht nur für mich, sondern auch für alle, die um mich herum sind? So fragen sich Betroffene: Soll ich, muss ich es bis zum Ende aushalten, und wahrscheinlich eine Belastung für andere sein? Eine Belastung, indem ich abhängig werde von meiner Umwelt und somit meine Autonomie, Kontrolle und Würde verliere? Am Ende bleibt ein Leben ohne all das, was es für mich bislang bedeutsam gemacht hat?!

Eher kritisch wird gefragt: Gibt es denn eine Art „Bürgerpflicht zur positiv erlebten Demenz“? Eine Pflicht, das Beste daraus zu machen, den Blick in den Abgrund vermeiden? Wenn ich das nicht kann oder/und will, bin ich dann eine Art depressive „Fehlbesetzung“, ein „schlechter Dementer“, wie es Betroffene ausdrücken. Sollte es mir gesellschaftlich erlaubt und legitimiert sein, Selbsttötung zu begehen? Es reicht nicht aus, dieses Verlangen mit dem Hinweis auf Depression zu entwerten: eine psychische Erkrankung muss nicht bedeuten, in wesentlichen ich-nahen Bereichen keine verantwortete Entscheidung fällen zu können.

Und anders herum: Wer weiß, zu wem ich werde? Treten da nicht möglicherweise Anteile in mir hervor, die zuvor keine Chance hatten? Kann es nicht auf andere, nicht absehbare Weise zumindest hin und wieder für mich, für uns, schön und erfüllend sein? Kein Mensch kann sein Ende vorwegnehmen, warum soll ich mir keine Chance einräumen – auch mit Demenz?

Jede Form des Alterns geht mit Kränkungen einher und mag schwer aushaltbar sein, – macht Demenz da wirklich einen derart einschneidenden Unterschied? Vielleicht ist es unmöglich, als Mensch ohne Demenz einzuschätzen, wie man gut mit Demenz leben kann. Wäre es also nicht bei Diagnosestellung verfrüht, mich einem möglicherweise von mir als lebenswert empfundenen Leben zu verweigern. Dieser Diskurs beschränkt sich nicht auf ein Leben mit Demenz.

Zu diesem Themenkreis wollen wir Positionen aufzeigen und zur Auseinandersetzung anregen und auffordern; Grundlage dazu bilden Referate von Personen aus verschiedenen Disziplinen, Initiativen und mit unterschiedlichen Werthaltungen. Eine Haltung der positiven Personenarbeit als Grundlage eines personzentrierten Umganges mit an Demenz Erkrankten ist nur glaubhaft, wenn sie aushalten kann, dass Demenz eben auch das ist: ein furchtbares Schicksal … und eben keine selbstgewählte Lebensweise.

Thema 2: Welchen Wert hat Pflege?

Kaum eine Berufsgruppe ist in ihrer täglichen Arbeit derart vom Kostendruck im Gesundheitswesen betroffen wie die Profession der Pflege. Schlagworte wie „Pflegenotstand“ und „Fachkräftemangel“ gepaart mit vermeintlichen Folgen einer „Sauber-Satt und Still“-Pflege oder einem – laut Medien – kaum zu verhindernden Burnout, prägen Diskussionen zum Thema Pflege.

Wenn überhaupt Pflegende an Interviews und Talkrunden teilnehmen, so zumeist als Stichwortgeber (partei-)politischer Auseinandersetzungen und als „leidende Protagonisten“ einer gesellschaftlich vernachlässigten  Spezies, deren mediales Bild allzu häufig auf zwei Extreme reduziert wird: Das eine, häufig gezeichnete Bild ist das einer leidenden, sich aufopfernden und zu bedauernden Berufsgruppe; das andere Extrem ist die Reduzierung Pflegender auf gefühlskalte, Patienten oder Bewohner erniedrigende Unmenschen.

Letzteres ist vor allem dann der Fall, wenn Skandale in Form von Verbrechen gegen die Menschlichkeit in der Pflege hochkochen. Wenn es aber um die Ursachen für den Pflegenotstand, mangelnde finanzielle Ressourcen oder nicht zu entschuldigende Übergriffe Pflegender auf Klienten geht, diskutieren Politiker, Wirtschafts- und Krankenkassenexperten sowie Manager von Gesundheitsorganisationen unter sich.

Der Kernpunkt der allermeisten Diskussionen der Experten besteht in der Betrachtung ökonomischer Zusammenhänge, die – je nach Ausrichtung der Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer – entweder mangelndem Geld oder schlechter Verteilung vorhandenen Geldes zugeschrieben wird. An dieser inhaltlichen, zukunftsgerichteten Diskussion nehmen Pflegende jedoch nicht mehr teil. Diese werden in der Diskussion wieder zu Stichwortgebern, die bestenfalls mit viel Empathie die oft untragbaren Zustände schildern, aus denen dann die Anderen versuchen, Schlüsse zu ziehen.

Die Frage, die sich stellt, ist Folgende: Sind Pflegende nicht in der Lage, über ökonomische Zusammenhänge und deren Wirkung auf den Menschen zu diskutieren? Haben Sie wirklich zu diesem Thema nichts Weiteres beizutragen als Leidensberichte? Können nur Wirtschaftsexperten über Kostendruck und Wirtschaftlichkeit sprechen und die Übrigen müssen mit dem Ergebnis leben?

Wir glauben nicht! Pflegende und Mitglieder anderer Professionen im Gesundheitswesen haben erheblich mehr zu dieser Diskussion beizutragen als die bloße Schilderung negativer Folgen ökonomischer Zwänge. Wieso, fragen sich Pflegende, ist die zum „Stand der Künste“ gehörende Erstellung eines personzentrierten Kontaktes zu Menschen mit Demenz, zwar gefordert aber dokumentarisch und wirtschaftsrelevant nicht abbildbar?

Sind Konzepte wie Lebensqualität und Wohlbefinden als Pflegeziele betriebs- und volkswirtschaftlich nicht relevant? Vielleicht sind Pflegende oder andere Versorgende keine Wirtschaftsexperten im herkömmlichen Sinne: Vielleicht ist es aber – wie so oft – notwendig, von außen einen Blick auf die Probleme zu nehmen und nach Lösungen zu suchen, die Wirtschaftsexperten nur schwer sehen können, da sie Teil und Protagonisten des Systems sind.

Dieser Newsletter-Day des Dialog- und Transferzentrum lässt sich als einen Versuch beschreiben, an dem Pflegende gemeinsam mit Expertinnen und Experten anderer Disziplinen die praktischen Folgen eines der Betriebs- und Volkswirtschaft unterliegenden Gesundheitssystems – speziell im Feld der Versorgung Demenzerkrankter – diskutieren, sich einmischen und – als Expertinnen / Experten und Bürgerinnen / Bürger – einen Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge im Gesundheitswesen nehmen. Mehr noch: Wir trauen uns (zu), mit Anderen gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Bis zum 31. März 2018 haben Sie noch Zeit dazu, auf unsere Befragung zu reagieren! Hier noch einmal der Link: https://www.surveymonkey.de/r/C66T6SC

Wir freuen uns darüber, wenn Sie sich an dieser Aktion beteiligen!

Ihr Team vom DZD

Quellenangabe zum Titelfoto: 

www.visualHunt.com

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Für mich wäre “Welchen Wert hat Pflege?” definitiv interessanter, weil man damit mehr anfangen kann. Zwar ist die erste Frage interessanter aber praixisfremder, weil die Antworten auf Vermutungen und Trends basierten würde.

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