Das nächste Demenzei: Langeweile

Bei dem Demenzei geht es um kontroverse Themen aus der Welt der Pflege, die wir mit Ihnen diskutieren wollen. Unser nächstes Thema: Langeweile.

Wir hatten bis dato in unserem Video-Diskussionsformat “Das Demenzei des Monats” solche kontroversen Themen wie Angst, Sex, Wahn und Halluzinationen. Und jetzt Langeweile? “Was ist denn bitteschön kontrovers an diesem Thema?”, werden Sie jetzt vielleicht fragen.

Wir leben in einer Zeit, in der ständige Betriebsamkeit schon fast als “normal” empfunden wird. Langeweile wird in diesem Zusammenhang eher mit negativen Vorstellungen assoziiert. Ob Jugendliche, Berufstätige oder Rentner: Es entspricht dem Zeitgeist, möglichst in allen Lebenslagen agil und aktiv zu sein. Dass Langeweile auch der Entspannung dient und im positiven Sinne mit Müßiggang zusammenhängen kann, wird dabei schon fast vergessen. Was machen wir eigentlich, wenn uns langweilig ist?

Langeweile ist ein großes Thema sowohl für Menschen mit einer Demenz in der eigenen Häuslichkeit als auch in Institutionen. Mitarbeiter sehen es zum Teil als ihre Aufgabe an, Langeweile bei Menschen mit einer Demenzerkrankung zu verhindern oder zumindest zu bekämpfen. Schon an dieser Stelle lohnt es einmal genauer darüber nachzudenken, wann Beschäftigung wirklich sinnvoll ist und wann eher nicht. Auch stellt sich die Frage, von welcher Art von Beschäftigungen die Rede ist und inwieweit diese Beschäftigungen auch zu jenen Personen passen, die gepflegt werden.

Schließlich kommt es in der Pflege auch zuweilen zu “Herausfordernden Verhaltensweisen”, wenn als Folge von andauernder Langeweile solche Verhaltensweisen wie Rückzug oder Aggressivität entstehen. Ist es also nun eine der wesentlichen Aufgaben in der Pflege, Langeweile bei Menschen mit einer Demenz zu verhindern oder zumindest zu bekämpfen? Falls ja: Bedeutet das im Gegenzug, dass beobachtbare Langeweile ein Indikator für schlechte Pflege ist? Oder gibt es auch solche Momente, wo Langeweile auch eine positive Bedeutung hat?

Sie sehen schon, es gibt einige wirklich spannende Fragen zum Thema Langeweile. Das nächste Demenzei in der Form eines Diskussions-Videos wird am Mittwoch, den 20. April auf dem YouTube-Kanal des DZD veröffentlicht. Wie immer wollen wir mit unserem Video-Beitrag zur anschließenden Diskussion anregen. Und wie immer können Sie auch etwas gewinnen: nämlich ein Buch im Wert von 30 Euro!

Ihr Detlef Rüsing und Marcus Klug

Detlef Rüsing ist Pflegewissenschaftler und leitet das Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) an der Universität Witten/Herdecke. Rüsing verfügt ebenso über langjährige praktische Erfahrungen in der Alten- und Krankenpflege: Er hat dort über 16 Jahre gearbeitet. Seine Schwerpunkt liegt auf Theorie-Praxis-Transfer. Daneben ist er Herausgeber von “pflegen: Demenz. Zeitschrift für die professionelle Pflege von Personen mit Demenz”. Kontakt: detlef.ruesing@uni-wh.de.

Marcus Klug arbeitet aktuell als Kommunikationswissenschaftler und Social Media Manager am Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) und betreut dort das Projekt Wissenstransfer 2.0. Das Projekt wurde bereits mit dem Agnes-Karll-Pflegepreis 2013 ausgezeichnet. Sein Schwerpunkt liegt auf Wissenskommunikation im Social Web. Daneben betreibt er als hauptverantwortlicher Redakteur seit Mai 2012 zusammen mit Michael Lindner Digitalistbesser.org: Plattform für Veränderung und lebenslanges Lernen. Kontakt: marcus.klug@uni-wh.de.

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