Soziale Medien als Vermittler: Blogs über Demenz_01

In diesem Beitrag geht es um Empfehlungen. Sie treten eine kurze Informationsreise an und lernen solche Blogs besser kennen, in denen einerseits wissenschaftliches Wissen aus der Welt der Demenzforschung vermittelt wird, andererseits subjektiv eingefärbte Geschichten, ungewöhnliche Beobachtungen und überraschende Vergleiche. Nun geht es auch schon los …

Bei der Recherche und Durchsicht zu verschiedenen Informations- und Wissensangebote zum Thema „Demenz“ – in der Form von Blogs – habe ich mich im Vorfeld gefragt, wie ich diesen Beitrag am besten strukturieren kann – also nach welchen Kriterien, nach welchen Gemeinsamkeiten und Ähnlichkeiten, was die Auswahl an Blogs anbelangt? Dabei ist mir aufgefallen, dass meine Recherche durch zwei Dinge beeinträchtigt wurde. Zum einen von der Frage, wie wissenschaftliches Wissen aus der Pflege- und Demenzforschung für Angehörige und professionell Pflegende aufbereitet werden kann, und welche Blogs dafür besonders empfehlenswert sind. Dabei habe ich mich in meiner Auswahl nicht nur auf deutsche Blogs beschränkt, sondern auch amerikanische Blogs mit einbezogen. Dies hat folgenden Grund: Der Innovationsgrad in der Vermittlung und Darstellung von multimedialen Informationen ist häufig höher als bei deutschen Angeboten.

Zum anderen spielte der subjektive Faktor bei meiner Recherche eine besondere Rolle: Hierbei handelt es sich eher um solche Blogs, in denen subjektive Erfahrungen ausgetauscht werden, Geschichten von Menschen, die beispielsweise davon erzählen, was es bedeutet, den demenzkranken Vater zu pflegen, aber auch ungewöhnliche Informationen und Hinweise am Wegesrand. Diese Situation erinnert in gewisser Weise an den Besuch eines Trödelmarktes: Eigentlich wollten Sie ein Buch kaufen; am Ende ist es aber doch eine LP-Box mit Schlagern aus einer längst vergangenen Zeit. Diese Situation können Sie ebenso auf den Prozess der Suche nach Informationen beziehen. Zuweilen bereitet es viel Freude, für kurze Zeit am Wegesrand zu verharren und diese Gebiete eben nicht schnurstracks zu durchqueren.

01: Erinnerungen pflegen und miteinander teilen

Erinnerungspflege durch Wandern und Singen / Quelle: http://erinnerungspflege.files.wordpress.com/2008/07/wandern-0031.jpgDen ersten Blog, den wir innerhalb unserer Informationsreise besuchen, ist der „Erinnerungspflege´s Weblog“. Es handelt sich dabei um einen Blog, der über die dargestellten Dinge und Gegenstände einen Bezug zur Biographiearbeit herstellt.

Bei der Biographiearbeit geht es ja in erster Linie um die einzelnen Lebensgeschichten von demenzkranken Personen, deren genauere Kenntnis einen wichtigen Schlüssel zum Verständnis von individuellen Krankheitsverläufen, Verhaltensauffälligkeiten und Bedürfnisstrukturen liefert. Wir können uns der Biographie einer Person aber auch über Alltagsgegenstände und besondere Ausgrabungen, Fundstücke und Raritäten annähern, nicht unähnlich der Arbeit eines Archäologen im Dienste der Erinnerung, der über diese Gegenstände verborgene Spuren zu bedeutungsvollen Erinnerungen einer einzelnen Person oder gar einer ganzen Generation von Menschen an die Oberfläche befördert. Ein Beispiel dafür wären jene Erfahrungen, die Menschen miteinander teilen, die noch den Zweiten Weltkrieg erlebt haben. Und die in einem wesentlich späteren Lebensabschnitt an Alzheimer erkrankt sind. Der passende Begriff dazu: das „kollektive Gedächtnis“.

Berglandschaft / Foto: Via San Marco! / Quelle: http://www.flickr.com/photos/vivasanmarco/7494016766/sizes/m/ Bei dem hier angeführten Blog ist in diesem Zusammenhang beispielsweise die Rede von „Sets“, die zu einem bestimmten Thema zusammengestellt werden können, mit dem vor allem ältere Menschen vertraut sind: also eine Sammlung von Gegenständen, die Erinnerungen hervorrufen. Eine solche Sammlung kann sich beispielsweise auf das Thema des „Wanderns“ beziehen. Ein Wanderstock, ein Rucksack, Wanderstock Plaketten usw. Außerdem, so erfahren wir in diesem Blog, wecken diese Gegenstände Erinnerungen an jede Menge Wanderlieder, die sich wiederum auf bestimmte konkrete Erfahrungen und Ereignisse beziehen.

Lieder wie „Mein Vater war ein Wandersmann“ oder „Im Frühtau zu Berge wir ziehn“, die wir einst sangen, als wir auf Erkundungstouren durch die freie Natur streiften, etwa zur Jugendzeit – mit den eigenen Geschwistern, anderen befreundeten Jugendlichen oder mit Vater und Mutter zusammen …

Im nächsten Beitrag folgen weitere Empfehlungen. Nutzen Sie auch die Gelegenheit, sich selber an dieser Aktion zu beteiligen. Sie kennen einen interessanten Blog oder eine Internetseite zum Thema “Demenz”? Posten Sie den Link dazu auf unseren Facebook-Kanal. Sie wollen evtl. sogar einen kurzen Beitrag zu einer Link-Empfehlung schreiben? Hinterlassen Sie dafür einfach eine Antwort im unteren Feld oder schreiben Sie eine E-Mail an: marcus.klug@uni-wh.de. Am Ende wird zu dieser Reihe eine zusätzliche Liste mit wertvollen und empfehlenswerten Links zum Thema “Demenz” veröffentlicht. Wir freuen uns über Ihre Beteiligung!

Marcus Klug arbeitet aktuell als Kommunikationswissenschaftler und Social Media Manager am Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) und betreut dort das Projekt Wissenstransfer 2.0. Das Projekt wurde bereits mit dem Agnes-Karll-Pflegepreis 2013 ausgezeichnet. Sein Schwerpunkt liegt auf Wissenskommunikation im Social Web. Daneben betreibt er als hauptverantwortlicher Redakteur seit Mai 2012 zusammen mit Michael Lindner Digitalistbesser.org: Plattform für Veränderung und lebenslanges Lernen. Kontakt: marcus.klug@uni-wh.de.

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