Demenz und Angst – Literatur und Links

Diesmal starten wir unsere Empfehlungen mit Büchern, die aus der Reihe tanzen. Etwa ein Buch mit der Geschichte von 48 Personen, die fünf Tage und Nächte in einem Gutshaus inmitten ausgedehnter Wälder verbrachten, um nach frei erfundenen und real existierenden Ängsten Ausschau zu halten. Aber selbstverständlich gibt es auch diesmal weiterführende Literatur und Links zum Schwerpunkt Demenz aus der Forschung, etwa eine Studie zum Zusammenhang von Angst, Musik und Demenz.

Für Einsteiger:

  • Was treiben 48 Personen fünf Tage und Nächte in einem Gutshaus im Wald? Die Antwort dazu gibt es in folgendem wunderbar gestalteten Büchlein: “Taschenlexikon der Angst”. In alphabetischer Reihenfolge findet man in diesem besonderen Format Begriffe, die mit Angst zu tun haben. A wie Aquarium zum Beispiel und die Angst davor, in einem solchen eingesperrt zu werden. Oder N wie Nervosität, die ein dicker Freund der Angst zu sein scheint. Die Idee zum Buch: Was gibt es eigentlich für Ängste, die uns ständig mehr oder weniger in unserem Alltag begleiten? Welche davon sind real? Welche eher fiktiv? Diese Frage führte drei Professoren und 45 Studierenden aus Berlin und Halle aus dem Bereich Design in den Wald, um dieses Projekt mit zahlreichen Illustrationen zu realisieren. Ähnlich ungewöhlich zu diesem Thema ist auch “Das Lexikon der Angst” von Annette Pehnt. Mit schriftstellerischer Leidenschaft nimmt es Pehnt mit allen möglichen Ängsten in ihrem Buch auf. Die bedrückende Angst vor der Stille etwa. Die schwarze Angst vor der Einsamkeit oder auch die verwirrende Angst vor der Ablehnung.
  • An der Psychologie kommen wir bei diesem Thema nicht vorbei. Ein echter Klassiker ist in diesem Zusammenhang das Buch “Grundformen der Angst” von Fritz Riemann. Wir hatten dieses Buch bereits einmal vor längerer Zeit auf unseren Blog besprochen: “Klassiker neu gelesen: Riemann über Depression”. Die Depression ist zugleich auch jene Grundform der Angst, die häufig im Zusammenhang mit Demenz genannt wird. Denn Depression und Demenz sind neben Angststörungen die am weitesten verbreiteten psychischen Erkrankungen älterer Menschen. Mehr Infos dazu gibt es hier. Ein weiteres Buch, was ich Ihnen unbedingt ans Herz legen möchte, ist das Buch “Der Fremde in uns” von Arno Gruen. “Der Fremde in uns”, so Gruen, “das ist der uns eigene Teil, der uns abhanden kam und den wir zeit unseres Lebens, jeder auf seine Weise, wiederzufinden suchen. Manche tun dies, indem sie mit sich selber ringen, andere indem sie andere Lebewesen zerstören.” Ein höchst spannendes Buch mit gedanklicher Sprengkraft! Einen Video-Vortrag dazu gibt es außerdem hier: “Der Fremde in uns” (Vortrag in vier Folgen).
  • Wer sich darüber hinaus für den Zusammenhang von Angststörungen, Alter und Demenz interessiert, ist sicherlich gut beraten mit folgenden beiden Büchern, um in das Thema einzusteigen: etwa das Fachbuch “Angststörungen im Alter” von der Verhaltenstherapeutin Sigrun Schmidt-Traub oder das Fachbuch “Angststörungen” unter anderem von Reinhard J. Boerner.
  • Die Angst vor dem Fremden ist auch weit verbreitet bei Demenz. Viele Menschen umtreibt die “Demenzsorge”, so ein Begriff dazu, die Kontrolle über das eigene Leben zu verlieren und nicht mehr “Herr im eigenen Haus” zu sein. Die Angst davor, selbst einmal dement zu werden, ist also recht verbreitet. Dabei ist diese Sorge durchaus unterschiedlich intensiv: Die einen Menschen machen sich gar keine entsprechenden Sorgen, während diese Sorge bei anderen Menschen schon fast hypochondrische Züge einnimmt. Mehr zu diesem Thema gibt es hier: “Demenzsorge: Schreckgespenst des Alters”.
  • Und schließlich fragen wir uns auch: Welche Ängste sind eigentlich bei den Betroffenen selber anzutreffen, also bei Menschen mit Demenz? Eine Antwort auf diese Frage findet man unter anderem in diesem Online-Ratgeber: “Das Wichtigste über die Alzheimer-Krankheit und andere Demenzformen” der Deutschen Alzheimer Gesellschaft.

Für Fortgeschrittene und Wissenschaftler:

  • Einen ersten kompakten Einstieg in das Thema in relativ einfachem Englisch habe ich hier gefunden: “Anxious Behaviours”.  Darunter werden spezifische Verhaltensweisen von Menschen mit Demenz verstanden, die mit Angst besetzt sind. Beispiele für solche Verhaltensweisen können Aggressionen sein. Die dementen Menschen fühlen sich in ihrem eigenen Umfeld zunehmend unwohler und reagieren zuweilen gereizt und aggressiv. Die Angst kann hier auch mit dem Kontrollverlust zusammenhängen. Bei bestimmten Demenzformen wie einer Frontotemporalen Demenz kann die Veränderung des Sozialverhaltens zudem zum Teil auf Hirnschädigungen zurückgeführt werden. Derartige Zusammenhänge werden in diesem kompakten Beitrag auch kurz angesprochen.
  • Einen anderen Zugang zum Thema Angst eröffnen Studien, die sich mit der Frage beschäftigen, inwiefern einzelne Interventionen die Angst bei Demenz lindern können, etwa Interventionen mit Musik: “How did a Music Therapy Student Work with Patients with Dementia Who Were Anxious and/or Agitated?”

Marcus Klug arbeitet aktuell als Kommunikationswissenschaftler und Social Media Manager am Dialog- und Transferzentrum Demenz (DZD) und betreut dort das Projekt Wissenstransfer 2.0. Das Projekt wurde bereits mit dem Agnes-Karll-Pflegepreis 2013 ausgezeichnet. Sein Schwerpunkt liegt auf Wissenskommunikation im Social Web. Daneben betreibt er als hauptverantwortlicher Redakteur seit Mai 2012 zusammen mit Michael Lindner Digitalistbesser.org: Plattform für Veränderung und lebenslanges Lernen. Kontakt: marcus.klug@uni-wh.de.

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